Public
Interest
Design
Masterstudiengang
an der Bergischen
Universität Wuppertal
ab WS 2016/17

Public Interest Design

MASTER OF ARTS

Sich an der Entwicklung der Gesellschaft zu beteiligen, relevante Fragen zu stellen und durch Projekte am Wandel von Gesellschaft und Stadt teilzuhaben, ist eine anspruchsvolle und wertvolle Herausforderung.

Public Interest Design ist ein neuer Masterstudiengang, in dessen Mittelpunkt die faszinierende Vorstellung steht, durch Design an der Gestaltung der Gesellschaft und den öffentlichen Angelegenheiten teilhaben zu können, in Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft Einfluss zu nehmen und über eigene Projekte der Öffentlichkeit Gestalt zu geben.

Ab dem Wintersemester 2016/2017 wird der neue Master of Arts Studiengang Public Interest Design an der Bergischen Universität Wuppertal angeboten.


30. Juni 2016    Ausnahmegenehmigung Akkreditierung

Das Ministerium hat der Bergischen Universität Wuppertal die Ausnahmegenehmigung erteilt, den Master of Arts Studiengangs Public Interest Design befristet ohne Akkreditierung betreiben zu dürfen. Der Studiengang ist demnach noch nicht akkreditiert. Wir informieren Sie vor diesem Hintergrund über Inhalte, Bewerbungsfristen etc. zum neuen Studiengang Public Interest Design.

Newsletter

Aktuelle Informationen zum Masterstudiengang Public Interest Design erhalten Sie über unseren Newsletter.

Die Zukunft der Menschheit
liegt in den Städten.

Kofi Annan, Weltkonferenz zur Zukunft der Städte, URBAN 21, Berlin, 4. Juli 2000

Politische Verantwortung und Öffentlichkeit

In den Städten entscheiden sich die zentralen Fragen der Zukunft, des sozialen Miteinander, der Nachhaltigkeit und der Integration. Die Städte sind die kulturellen Träger einer demokratischen Gesellschaft, einer freiheitlichen Grundordnung und offener dynamischer Entwicklungen in Bildung, Wissen und Technologie. In seiner Grundsatzrede auf der Weltkonferenz zur Zukunft der Städte URBAN 21 in Berlin im Jahr 2000 hat Kofi Annan auf diese Zusammenhänge ausführlich und grundlegend hingewiesen.

Die zivile Gesellschaft basiert auf der Grundlage einer aktiven Teilhabe und Teilnahme der Bürger an den öffentlichen Angelegenheiten. Öffentlichkeit und Privatheit bilden die konstitutiven Pole, aus denen heraus die Stadt zum Gefäß für Freiheit und Verantwortung, Heimat und Integration, Identität und Selbstbestimmung wird. Ohne eine Kultur der Teilnahme an der Konstituierung, Kritik und Ausgestaltung der öffentlichen Angelegenheiten reduziert sich die Stadt auf die ökonomischen Dimensionen der Privatheit. Sie verliert ihre wesentliche Kategorie, die Mitverantwortung jedes Einzelnen für das Allgemeinwohl.

Stadtkultur, Stadtgesellschaft und Stadtbild sind Gestalten des Öffentlichen. Sie sind das Abbild des öffentlichen Lebens und zugleich ihr gestalteter Ausdruck. Städte bilden den erlebbaren Raum für ein bürgerliches Selbstverständnis, sie bieten den Rahmen für die Konstitution von Demokratie, Integration und Partizipation. Wege für eine Beteiligung und Teilnahme der Bürger an der Begründung und Gestaltung von Öffentlichkeit zu finden und sie als gemeinschaftliche Gestalter der Gesellschaft zur Geltung zu bringen, ist daher eine der zentralen Aufgaben und Herausforderungen für die Zukunft.

Stadt als Ort der politischen Verantwortung und Öffentlichkeit muss unter den Bedingungen von Globalisierung und Digitalisierung neu artikuliert werden. Die Verhältnisse von Globalem und Lokalem, physischen Nachbarschaften und virtuellen Erlebnis- und Entscheidungsräumen, Individualität und Gemeinschaft sind hochaktuelle Fragestellungen, mit denen sich eine Gesellschaft in der gemeinsamen Verantwortung für Öffentlichkeit und Demokratie auseinanderzusetzen hat. Hier ermöglicht das Design als Disziplin mit seinen ästhetischen Kategorien der Kommunikation und der Rückbindung an physische Wahrnehmung eigenständige Beiträge zur Bildung und Gestaltung von Gesellschaft.

Schon die Herstellung von Öffentlichkeit selbst, die Bestimmung eines Verhältnisses von Offenem und Geschlossenem, Privatem und Öffentlichem, kann in diesem Sinne als Akt elementaren Gestaltens begriffen werden. Vor diesem Hintergrund will die Bergische Universität Wuppertal in der Fakultät für Design und Kunst mit dem Master of Arts in Public Interest Design Studieninteressierten die Möglichkeit bieten, sich mit den Mitteln des Designs an der verantwortlichen Begründung und Gestaltung von Gesellschaft und Öffentlichkeit zu beteiligen.


Public Interest Design ist Design,

  • das eine zentrale Mitverantwortung für die Schaffung und den Erhalt von Öffentlichkeit als zentralem Diskursraum demokratischer Gesellschaften erkennt und ausgestaltet,
  • das relevanten Themen des sozialen und nachhaltigen Zusammenlebens der Gesellschaft Gestalt verleiht und einen Diskursraum öffentlicher Kritik und gemeinsamer Verantwortung erschließt,
  • das durch die Gestaltung im und des Öffentlichen neue Impulse und Beiträge für die Entwicklung der Gesellschaft einbringt.
  • das demokratische Öffentlichkeit nicht steuert, sondern Ermöglichungsräume der Selbstbestimmung der Bürger im Sinne eines republikanischen Staatsverständnisses schafft.

Studierende und Absolventen des Public Interest Design sind Designerinnen und Designer,

  • die ihre kreative Arbeit in Verantwortung gegenüber Gesellschaft und Öffentlichkeit einbringen,
  • die sich über Projekte und Themen an der Mitgestaltung von Gesellschaft und Öffentlichkeit beteiligen.

Berufsfeld

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie verzeichnet in seinem Monitoringbericht 2013 über die Entwicklungen der Kultur- und Kreativwirtschaft einen deutlichen Umsatzanstieg der Branche auf 145 Milliarden Euro, der damit höher als in der chemischen Industrie und bei den Energieversorgern liegt. Die Teilmärkte für Design und Film liegen mit einem jährlichen Umsatzwachstum von 2,5 Prozent am oberen Rand und nehmen insofern eine Vorreiterrolle in der gesamten Kreativwirtschaft ein. In der Analyse der Wachstumsfaktoren stellen die Forscher in der Designwirtschaft einen signifikanten Anstieg der Unternehmen von 2009 bis 2013 um 7.297 auf 55.729 fest.

Im Spiegel einer fortschreitenden Ökonomisierung der Gesellschaft, in deren Mittelpunkt Prozessoptimierung und Quantifizierung stehen, droht die Beteiligung an den öffentlichen Angelegenheiten gesellschaftlich zunehmend in den Hintergrund zu treten oder in vorformatierten Bahnen zu verlaufen, die dem demokratischen Prinzip widersprechen. Gerade vor dem Hintergrund einer wachsenden Kultur- und Kreativwirtschaft besteht umso mehr die Notwendigkeit, im Bereich des Public Interest Design Studierende zu befähigen, eine kritische Persönlichkeit und Distanz in Hinblick auf die Beziehung zwischen gestalterischen Tätigkeiten, Gesellschaft und Ökonomie zu entwickeln. Es ist nicht die einzige Aufgabe des Designs ökonomische Prozesse gestalterisch zu begleiten und sich damit der Unterstützung von Verkaufsprozessen zuzuwenden. Design – insbesondere Kommunikations- und Mediendesign – muss vielmehr auch als Verantwortung begriffen werden, an der Gestaltung von Gesellschaft teilzunehmen, diese kritisch zu begleiten und ihr Impulse zur Entwicklung zu geben, ohne zugleich verdeckte Steuerungsansprüche zu etablieren oder zu unterstützen.



Studium

Modulstruktur

Die Gliederung des Masterstudiengangs Public Interest Design basiert auf einer Dreigliedrigkeit von Aneignung, Transformation und Öffentlichkeit.
Die drei Theoriemodule sind curricular aufeinander bezogen und thematisieren das Verhältnis von Design und Gesellschaft (Modul 1), Design und Transformation (Modul 3) sowie Design und Öffentlichkeit (Modul 5).

Die drei Projektmodule zeichnen diesen Dreischritt ebenso in der curricularen Logik nach:
Das Projekt Aneignung (Modul 2) stellt den Aufbau eines kritischen Verhältnisses zu Design und Gesellschaft sowie Methoden und Strategien der Aneignung durch ein definiertes Projekt in den Mittelpunkt. Das Projekt Transformation (Modul 4) fokussiert im Rahmen eines frei gewählten Projekts auf Strategien der Designrhetorik und Narration.

In dem dritten, frei gewählten Projekt Öffentlichkeit (Modul 6) wird das Projekt Transformation aus Modul 4 fortgesetzt und für eine definierte Öffentlichkeit konzipiert, inszeniert und präsentiert. Im Zentrum stehen die Vermittlung von Strategien der Begründung, der Transformation und des Erhalts öffentlicher Diskursräume sowie des Veröffentlichens.

Die Master-Thesis in Modul 7 bildet ein frei gewähltes Projekt, das im öffentlichen Kontext realisiert und präsentiert wird.

Bewerbung

Bewerbungsvoraussetzung

Die Voraussetzungen für den Zugang zum Masterstudium in Public Interest Design erfüllt, wer einen mindestens sechssemestrigen Bachelorstudiengang in den Fächern Kommunikations- oder Mediendesign, Film, Architektur, Stadtplanung oder Landschaftsarchitektur absolviert hat. Hier müssen insgesamt mindestens 180 Leistungspunkte erbracht worden sein.

Wer an der Bergischen Universität Wuppertal im Kombinatorischen Bachelorstudiengang mit mindestens 86 Leistungspunkten in den Fächern Mediendesign und Designtechnik, Design Audiovisuelle Medien oder Design Interaktiver Medien studiert hat, kann sich ebenfalls für den Masterstudiengang Public Interest Design bewerben.

Zudem muss zusätzlich eine künstlerisch-gestalterische Eignungsprüfung absolviert werden.

Eignungsprüfung

Wer sich für den Masterstudiengang Public Interest Design bewirbt, muss an einer Eignungsprüfung teilnehmen. Die Bewerbung muss folgende Unterlagen enthalten:

  • ein ausgefüllter Bewerbungsvordruck (PDF)
  • eine beglaubigte Kopie des Bachelor-Zeugnisses und/oder der Bachelor-Urkunde
    Falls das Bachelorzeugnis noch nicht vorgelegt werden kann, können auch Studiennachweise von insgesamt mindestens 150 ECTS-Leistungspunkten oder ein vorläufiges Prüfungszeugnis vorgelegt werden. Das Zeugnis kann in begründeten Ausnahmefällen bis zum Zeitpunkt der Einschreibung nachgereicht werden.
  • ein tabellarischer Lebenslauf
  • ein Motivations-Schreiben mit Begründung der Studienabsichten und Beschreibung eigener Projektideen (max. eine DIN A4-Seite)
  • Das Portfolio ist in digitaler Form (als PDF-Datei) auf einem Datenträger einzureichen.
    Es unterliegt keinen konkreten Layout-Vorgaben, darf aber das Format DIN A3 nicht überschreiten. Es wird kein Thema bzw. keine Aufgabe für das Portfolio gestellt. Ein erläuternder Text kann beigefügt werden (max. eine DIN A4 Seite). Dreidimensionale Arbeitsproben sind nur durch Fotografien (mehrere Ansichten) zu dokumentieren. Bei den Arbeitsproben muss das Entstehungsdatum vermerkt sein. Filmische Arbeiten erbitten wir als Datei in einem gängigen Videoformat auf einem USB-Stick oder DVD±R mit eigens dafür gestalteter Hülle.
  • eine schriftliche Erklärung, dass Sie die vorgelegten Arbeitsproben selbstständig angefertigt haben.

Die vollständige Bewerbung schicken Sie bitte an:

  • Bergische Universität Wuppertal
    z.Hd. Prof. Dr. Johannes Busmann
    Kennwort: Eignungsfeststellungsverfahren
    Public Interest Design
    Gaußstr. 20
    42097 Wuppertal

Personen

Britta Eiermann

Britta Eiermann, die wir im Herbst als Gastprofessorin begrüßen dürfen, studierte Architektur an der TU Darmstadt, entwirft und realisiert als "Installateuse" Ausstellungsprojekte und Installationen und verfügt über eine langjährige Lehrerfahrung an verschiedenen Universitäten und Hochschulen. Ebenso ist sie Mitglied des Künstlerkollektivs osa_office for subversive architecture mit Vertretungen in Deutschland, Österreich und England und agiert dabei im Kontext urbaner Interventionen.

Im Mittelpunkt der zahlreich realisierten Projekte steht die experimentelle Gestaltung von (meist öffentlichem) Raum, unabhängig seines Maßstabs und seiner Definition und die Transformation von Orten im Abseits. Derzeit ist sie an der TU Darmstadt am Fachgebiet est_Entwerfen und Stadtentwicklung tätig. Sowohl in den eigenen Projekten als auch in den Lehrprojekten, welche sich überwiegend an der Schnittstelle von Kunst, Architektur und Stadtentwicklung bewegen, geht es im Wesentlichen immer auch um gesellschaftliche Fragestellungen und um die Subversion festgefahrener Sichtweisen. www.osa-online.net


Heike Delitz

Heike Delitz studierte Architektur an der FH Dresden und anschließend Soziologie und Philosophie an der TU Dresden, wo sie mit einer Arbeit zu "Architektur als Medium des Sozialen" auch promovierte. Heike Delitz ist Mitbegründerin der Disziplin Architektursoziologie. Sie lehrt als Privatdozentin für Soziologie an der Universität Bamberg und vertritt seit dem Sommersemester 2015 den Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie und Gesellschaftstheorie am Institut für Soziologie der Universität Wuppertal.

Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in der Kultursoziologie, insbesondere der Artefakte und des Wissens, und generell in der soziologischen Theorie. Sie ist eine Kennerin vor allem des französischen gesellschaftstheoretischen Denkens. Sie erforscht – in einer kulturvergleichenden Perspektive – die soziale Aktivität oder gesellschaftliche Bedeutung von Architekturen (und anderen Artefakten); und arbeitet innerhalb der soziologischen Theorie an solchen Perspektiven, die den ebenso imaginären wie symbolisch erzeugten (und transformierten) Charakter kollektiver Identitäten oder von Gesellschaften zu denken erlauben.

In ihrer Lehre am Masterstudiengang public interest design wird sie die Verbindung von Gesellschaftstheorie und Design ins Zentrum stellen: Was ist eigentlich aus soziologischer Sicht eine 'Gesellschaft', wie konstituieren sich Kollektive und wie verändern sie sich – und welchen Anteil haben daran Aktivitäten, Denkweisen und Artefakte des Designs?

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